Mode für die Frau für den Mann

High Heels, Stöckelschuhe, Absatzschuhe – sie sind ein Symbol der Weiblichkeit. Sie verlängern optisch die Beine, verkleinern dabei die Füße, führen zu einer eleganten Gangart und bieten die perfekte Gelegenheit, als Mann der Frau den Arm als Stütze anzubieten. Kaum ein Kleidungstück ist derart auf ein Geschlecht festgelegt und untrennbar verbunden.

Historische Männermode

Dabei ist es historisch ganz anders: Männer erfanden und trugen diese Art von Schuhen, beispielsweise weil es beim Reiten besseren Halt gab oder um in mittelalterlichen Städten den allgegenwärtigen Unrat auf den Straßen zu meiden. Obwohl sich der Absatzschuh während des 19. Jahrhunderts zu einem exklusiv weiblichen Accessoire entwickelte, gibt es noch diverse Bereiche wie beispielsweise Tanz, Reitsport oder Popmusik, wo diese als Herrenbekleidung ebenso akzeptiert und verbreitet sind.

Transvestiten und Dragqueens

Heutzutage sieht es anders aus. Im 21. Jahrhundert gelten Männer, die High Heels tragen, entweder als schräge Künstlertypen, oder aber sie werden als homosexuell abgestempelt. Tatsächlich ist das Tragen von ,,weiblichen” Kleidungsstücken wie Kleidern, Röcken oder Blusen bei Männern unter dem Begriff Transvestitismus zusammengefasst. Wenn Frauen traditionelle ,,Männerkleidung” tragen, gilt die Bezeichnung ebenso und gibt keinerlei Hinweise auf tatsächliche sexuelle Orientierung oder Identität. Als sogenannte ,,Dragqueens” kostümieren sich biologische Männer unabhängig ihrer Sexualität als Frauen mit auffälligen Partyoutfits und Make-up, um zu singen oder anderweitig in Shows aufzutreten oder zu performen. Dass viele Menschen den Unterschied dieses Phänomens zu dem Begriffs- und Identitätskonzept von Transmenschen nicht kennen oder begreifen, zeigt, wie sehr viel mehr Transvestiten in die öffentliche Debatte miteinbezogen werden sollten. Interessant ist auch der Aspekt, dass Männer in Frauenkleidern gesellschaftlich schnell als homosexuell gelten, Frauen in Männerkleidern allerdings ein Symbol für Emanzipation und Feminismus sind.

Weiblichkeit oder Männerfeindlichkeit?

Es ist faszinierend und absurd zugleich, inwieweit sich Symbolik eines bestimmten Äußeren über die Jahre verändert. Einst ein Zeichen für militärische Zugehörigkeit, Arbeit mit Tieren oder in der freien Natur, oder aber, wie während des Barock, von Adel, sind Schuhe mit hohem Absatz mittlerweile ein Hinweis auf explizite Weiblichkeit, ähnlich dem roten Lippenstift. Der historische Ursprung ist all jenen wohl nicht klar, die High Heels tragende Männer beleidigen und herabsetzen. Abgesehen von der wenig geschätzten Kunstfertigkeit, sich in sehr hohen und dünnen Absätzen elegant und grazil vorwärts zu bewegen, ohne zu stolpern oder zu stürzen, sollte niemand aufgrund seiner Kleidung oder seines äußeren Erscheinungsbildes Rückschlüsse auf sexuelle Orientierungen oder Vorlieben zulassen.